TILAPIA.at
 

Skurriles

Menschen, Tiere, Sensationen

Dies ist die „Freistil“-Seite von tilapia.at. Hier werden Geschichten über den Tilapia gesammelt, die zusätzlich noch einen skurrile, merkwürdige oder lustige Komponente in sich tragen. Freistil eben.

Wie kommt der Tilapia in den Joghurt?

Eine der grössten Molkereien der USA hat sich kürzlich einen Joghurt offiziell von einem Rabbi zertifizieren lassen. Die Produktlinie ist seither „certified kosher“. Der koschere Joghurt folgt damit den strengen Regelungen der jüdischen Religion. Normalerweise wäre der Joghurt mit Gelatine versetzt gewesen, die aus Rindern oder Schweinen gewonnen wurde. Nach den koscher-Regeln dürfen diese Zutaten aber nicht mit Milch in Berührung kommen. Um der Fruit-Mousse in dem Joghurt aber dennoch eine „lockere und leichte Textur“ zu verschaffen, wird stattdessen Gelatine aus Fischen zugesetzt. Genau – aus Tilapien.

Quelle: http://thebatavian.com/howard-owens/its-kosher-when-you-eat-muller-yogurt/39274

 

Das geht in’s Auge: Implantate aus Tilapiaschuppen

Man kann den Tilapia aber nicht nur in den Joghurt mixen. Eine Forschergruppe der Universitäten Köln und Leiden in Holland haben ein Verfahren entwickelt („BioCornea“), wie man aus den Schuppen von Buntbarschen ein Hornhautimplantat herstellen kann. Hintergrund ist der immense Bedarf an Spendergewebe, der Menschen transplantiert werden kann, die zu erblinden drohen. Bislang mussten die Hornhäute gerade gestorbenen Organspendern entnommen werden. Da der Bedarf aber bei weitem die Verfügbarkeit an Spendergewebe übersteigt, wurde eine künstliche Hornhaut entwickelt, die den betroffenen Patienten implantiert werden kann. Als Grundgerüst der künstlichen Hornhaut dient die natürliche Kollagenstruktur, wie sie in den Schuppen des Mosambik Tilapia (Oreochromis mossambicus) vorliegt.

Hierzu werden die Schuppen den speziell hierfür gezüchteten Tilapien entnommen, in mehreren Schritten gereinigt, entkalkt und sterilisiert, bis sie dann als Hornhaut-Implantat dem Patienten eingesetzt werden können. Nach der Operation wird die Kollagenstruktur der ursprünglichen Tilapiaschuppe schon kurz nach dem Einsetzen der Hornhaut von den körpereigenen Zellen des Empfängers aufgefüllt. Das Verfahren steckt noch in der Erprobungsphase, könnte aber in Zukunft einen Teil der 100.000 Hornhauttransplantationen abdecken, die weltweit pro Jahr durchgeführt werden.

(Quelle: Hos, D. & van Essen, T.H. et al: „Dezellularisierte Kollagenmatrix  aus der Schuppe des Tilapia-Fisches als Hornhautersatz („BioCornea“). Der Ophthalmologe, 2014-111.)

 

Der patentierte Tilapia

Dass man einen Buntbarsch auch patentieren lassen kann, haben Biologen aus Göttingen bewiesen: seit dem Jahr 2013 existiert eine Wortmarke für den Tilapia augusta. Mit diesem Namen, der als Europäische Gemeinschaftsmarke eingetragen ist, wird ein spezieller „strain“, also eine Zuchtlinie geschützt, die von einer renommierten Arbeitsgruppe der Georg-August-Universität Göttingen entwickelt wurde. Der Tilapia augusta hat den Vorteil, dass durch eine Temperaturbehandlung ein annähernd reiner Männchenbestand (= all-male) dieser Buntbarsche erreicht werden kann. Damit kann in einer Aquakultur-Produktion der Fische dann auf die sonst übliche Zugabe von Hormonen verzichtet werden. Eine Hormonbehandlung wäre ansonsten ein Ausschlusskriterium für eine Bio-Zertifizierung.

Die Wortmarke „Tilapia augusta“ gilt für die Nizza-Klassen 029 / „Nahrungsmittel tierischer Herkunft“, 031 / „Land- und Forstwissenschaftliche Erzeugnisse“ und 042 / „Wissenschaftliche und Technologische Dienstleistungen“.

Zwei ganz frische Bilder der patentierten Tilapien haben wir von der EuroTier 2014 in Hannover mitgebracht:

Tilapia augusta im Aquarium

Tilapia augusta im Aquarium

Ein Schwarm Tilapia augusta

Ein Schwarm Tilapia augusta

(Fotos: tilapia.at, entstanden auf dem DLG-Schaufenster: „Wachstum im Wasser“.)